Bildungsdynamik in der Vielfaltsgesellschaft

Veranstaltung vom 5. November 2012 um 19:00 Uhr im Atrium Deutsche Kreditbank AG, Taubenstraße 7-9, 10117 Berlin-Mitte

Diese Veranstaltung im Atrium der Deutschen Kreditbank war ein voller Erfolg. Zahlreiche Zuhörer sowie namhafte Podiumsgäste waren anwesend, Jugendliche suchten zitierfähige Aussagen ,um eine konstruktive Diskussion über die Bildung in Berlin zu führen: Die Initiatore, der VDP BB im Zusammeniwrken mit ATIYAB waren von der Resonaz dieser Startschussveranstaltung sehr angetan.

Diese interessante Kooperation ist aus der Idee heraus entstanden, dass nicht nur Bildungseinrichtungen und Eltern Verantwortung tragen für eine erfolgreiche Schul- und Ausbildungslaufbahn von Kindern nichtdeutscher Herkunft, sondern auch die Wirtschaft, die von einer immer größeren Anzahl Unternehmer mit Zuwanderungshintergrund lebt.

Der VDP BB und ATIYAB wollen mit dieser im Turnus stattfindenden Veranstaltung mit verschiedenen Partnern nicht nur auf Fehlentwicklungen in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, die aus einer Zuwanderungskultur stammen, aufmerksam machen, sondern Anstöße für eine bessere, umsichtige, tolerante und internationale Bildungslandschaft geben, diese also benennen.

Neben zahlreichen Zuhörern sind ebenso namhafte Podiumsgäste aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft der Einladung gefolgt. Geleitet und moderiert wurde der unterhaltsame und konzentrierte Abend von dem erfahrenen und sehr souveränen Journalisten und ARD-Moderator Andreas Schneider. Unambitioniert und sehr interessiert an den Beiträgen der Podiumsgäste, leitete dieser den Abend mit der Vorstellung von Yigit Muk und Yildirim Ersin ein. Zwei junge Männer, die beide jüngst die Private Kant-Schule mit einem hervorragenden Abitur abgeschlossenen haben, nachdem ihnen in der Grundschule bereits ein schulischer Misserfolg vorhergesagt worden war. Beide sind mittlerweile erfolgreiche Studenten und berichten, dass das Elternhaus aber auch ambitionierte und kultursensibilisierte Lehrerinnen und Lehrer die wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Ausbildung seien.

Auf diese Faktoren geht auch Prof. Havva Engin, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Heidelberg, ein. Sie untermauert die Wichtigkeit eines engagierten und unterstützenden Elternhauses und betont, dass Erfolg und Misserfolg bedingt sind durch zur Verfügung stehender Ressourcen, aber maßgeblich durch das kulturelle, das ökonomische und das soziale Kapital der Eltern.

Weiter berichtet Havva Engin, dass das Ausbildungsproblem mittlerweile weniger in den Schulen als auf dem Arbeitsmarkt liege. Von Jugendlichen aus einer Herkunftskultur, schließen 25% die Schule mit einem MSA ab, sind in der dualen Ausbildung aber nur unterdurchschnittlich vertreten.

Die neue Integrationsbeauftragte, Frau Dr. Monika Lüke. unterstreicht diese Aussagen, indem sie auf die Wichtigkeit der Elternberatung bereits in der KiTa verweist und unterstützt Elternberatungsprojekte wie die Stadtteilmütter oder die Elternlotsen, die auf eine Partizipation der Eltern am KiTa- und Schulleben ausgerichtet sind.

Emre Kiraz vom Alevitischen Mittelstandsverband und damit in dieser Runde als Vertreter der Unternehmer mit Zuwanderungshintergrund, sagt den weisen Satz, dass „kleine Schritte zu großen Erfolgen führen“ und gibt zu bedenken, dass Potentiale, über die an diesem Abend häufiger gesprochen wird, individuelle Potentiale seien und diese individuell gefördert werden müssen. „Wir leben eben nicht mehr in einer Monokultur und müssen uns Gedanken machen, wie wir aus den riesigen Möglichkeiten, die diese Mehrkultur mit sich bringt, schöpfen können.“

Siegfried Arnz von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft unterstreicht ebenfalls die Wichtigkeit des Elternhauses, möchte die Verantwortung aber auch an Bildungseinrichtungen abgeben. „Mit der Hauptschulempfehlung“ für Yigit Muk und Yildirim Ersin „habe die Diskriminierung angefangen.“

Peter Zühlsdorff, Manager und Schulgründer führt einen weiteren Punkt an. Er erklärt, dass das Schulwesen in Berlin für Zuwanderer nicht attraktiv sei. „Wir drehen uns auf der Stelle, fassen aber nicht an die Wurzel (der Bildungsproblematik).“

Eric Schweitzer, Chef der IHK Berlin möchte aber auch die Wirtschaft in die Verantwortung für die Ausbildung Jugendlicher nichtdeutscher Herkunft nehmen, ebenso wie Dieter Wagon, Chef der Bundesagentur für Arbeit, der auch zugewanderte Kleinunternehmer auffordert, jugendlichen Migranten eine Ausbildung zu ermöglichen.

Andreas Wegener vom VDP BB ergänzt: „Bildungsdynamik ist nichts Statisches. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“