Mehrsprachiges Berlin

Die bereits erreichte Internationalität des Berliner Schulwesens mit 17 staatlichen Europa-Schulen, mit acht sich international nennenden Schulen und sechs ausländischen Schulen, ist eine gute Grundlage, um in eine weiterführende Diskussion einzusteigen. So ist zu überlegen, ob das Englische angesichts seiner fortschreitenden Verbreitung in Alltag, Konsum und Technik, im bilingualen Unterricht etwas zurückgenommen werden kann zugunsten solcher Sprachen, die entweder stärker Brücken zu den Herkunftsregionen der Hinzuziehenden bilden oder zu den Partnerländern des wirtschaftlichen und dann häufig auch kulturellen Austausches der Stadt. Ein aktuelles Beispiel sind die enger werdenden Beziehungen Berlins zu chinesischen Einrichtungen und Unternehmen, kein Land ist stärker unter den ausländisch Studierenden vertreten.

 So oder so spielt die Internationalität der Schulen für die Familien ausländischer Fachkräfte bei deren Abwägung ihrer Entscheidung über Berliner Berufsofferten eine erhebliche Rolle. Sind entsprechende Schulen im gewünschten Wohngebiet vorhanden und gegebenenfalls auch während des laufenden Schuljahrs aufnahmefähig? Sind sie finanzierbar?

Kritik findet, Deutsch im Abschluss perfekt beherrschen zu sollen, damit zusammenhängend die diesbezügliche 50/50- Regel bei den Eltern, die mit ihren Familien nur temporär in der Stadt weilen wollen. Alle Familienmitglieder wollen „eine Situation, die jedem die Mobilität für weitere Zukunftsplanungen gibt“ (Gutheil).

Die Universitäten, hier durch die Technische und die Freie Universität vertreten, haben ihre Internationalität stark gesteigert, haben englischsprachige Studiengänge und internationale Forschungsverbünde aufgelegt, sind darüber international sichtbar, nachgefragt und konkurrenzfähig geworden. Die Internationalität eröffnete ihnen zusätzliche Finanzierungsfonds. Heißt dies nun wiederum nicht, die englische Sprache zu stärken statt zurückzunehmen, wenn Studiengänge und internationale Kooperationen sich fast ausschließlich im Englischsprachigen bewegen?

Lassen sich aus der Integration ausländischer Wissenschaftler Lehren für die Einstellung ausländischer Schullehrer ziehen? Im Zusammenhang mit der stets auch sprachrelevanten universitären Profilbildung in Forschung und Lehre und ihren internationalen Kooperationsnetzen ist zu fragen, inwiefern sie eine Anregung und Anleitung zur Profilierung sein kann.