Willkommen in der Stadt

Eine generelle Bedingung für eine erfolgreiche Willkommenskultur wäre die Bereitschaft der aufnehmenden Stadt, das fachliche und kulturelle Leistungspotenzial der zugezogenen Familien zu erkennen, anzuerkennen und dies auch intern und extern zu kommunizieren. Eine weitere Bedingung wäre die Haltung, Fach- und Führungskräfte im Wettbewerb mit anderen Städten auch und nicht zuletzt über den „weichen“ Standortfaktor Bildung gewinnen zu wollen. Akteure der Willkommenskultur können jedoch nicht nur Familien und Unternehmer, die Zivilgesellschaft, sein, die staatliche Seite mit Schulen, Verwaltungen und landeseigenen Unternehmungen muss mitziehen. Empfohlen wird, dass auch die städtische Verwaltung Berlins sich mehrsprachig aufstellt, personell und instrumentell. Wenn ein möglicher Investor „vor dem Konsulat erst einmal drei Stunden warten muss, und in der Verwaltung verlangt wird, dass er Deutsch spricht -, dann ist das keine Willkommenskultur“ (Kiraz). Schon ein paar Worte in fremder Sprache sind eine Brücke.

Ist es unzumutbar, Formblätter ins Englische zu übersetzen? Von den jährlich etwa 160000 Menschen, die nach Berlin kommen, sind immerhin 90000 Ausländer. Anerkennungskultur muss auch auf den unteren Stufen beginnen. Sie sollte das Bemühen um Zugänglichkeit und Durchlässigkeit einschließen, sei es durch die zügige Anerkennung ausländischer Schul-, Studien- oder Ausbildungsabschlüsse, sei es bei den Prozeduren der Ämter.

Wenn Deutschland mit Gründen am föderalen Bildungswesen festhält, folgt daraus auch die Verpflichtung zur besonderen Transparenz von Bundesland zu Bundesland der unterschiedlichen Schul- und Hochschulregelungen.

Im Zeitalter der Globalisierung, in dem auch die anderen, die konkurrierenden Städte stehen, könnte Berlin eine Vorbildrolle darin übernehmen, ein System vorzubereiten, das allen ausländischen bildungswilligen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft erlaubt, schnell den angemessenen Weg in Richtung Schule, Studium, Ausbildung und Beruf zu finden. Berlin hätte das Potenzial dazu.

Stadt des Einstiegs, Stadt der Gründer

„Von New York oder Tel Aviv aus gesehen ist Berlin eine international vibrierende Stadt, von Stuttgart aus eine, in der man wenig verdient, keine Karriere machen kann und das Schulwesen schlecht ist“ (Bähr), so klingt zugespitzt die Beobachtung, dass das Berliner Schulwesen innerhalb Deutschlands als Grund auftreten kann, die Stadt zu meiden. Wenn rund 80% der in den letzten Jahren Zugezogenen zwischen 18 und 30 Jahre alt sind, dann ist Berlin in der Tat eher eine Stadt des Ein- und Aufstiegs als der Karrieren im Zenit des Berufslebens. Sind die Eltern womöglich selbst noch in der Qualifizierung, so haben ihre Kinder die Berliner Bildungsinstitutionen noch gar nicht voll erreicht. Inwieweit gehen die Berliner Kitas auf die Anforderungen der Einsteiger ein? Wie das Image des Schulwesens auch im Inland aufbessern?

Wenn „gerade die Internationalen Schulen ein großartiges Aushängeschild für Berlin sind“ (Traxler), dann wäre doch zu fragen, ob denn staatliche Schulen im Innen- und Außenverhältnis mehr Autonomie, mehr Flexibilität, mehr Ressourcen zur Gemeinschaftsbildung erhalten sollten, wie sie Schulen in freier Trägerschaft praktizieren.

Wenn Berliner Großunternehmen von internationalem Rang in den Nachkriegsjahren aus politischen Gründen die Stadt verließen und nach 1990 auch nicht zurückkehrten, dann ist Berlin heute umso mehr auf Neugründungen angewiesen. Rein quantitativ ist es mit 40000 Gründungen bereits die Gründerhauptstadt Deutschlands, doch Kritik bleibt. Warum bleibt der Anteil der ausländischen Gründer im Vergleich etwa zur Gründer-Weltstadt Silicon Valley, bei der er über 50% liegt, so gering (17%)? Sprachbarrieren? Zu wenig Wissen über die mittelständischen Unternehmungen, die jenseits der großen Marken und Produktionsnamen für global learner attraktiv sind? Zu wenig Risikokapital? Zu wenig Einsicht darin, dass Bildung und Mehrsprachigkeit in einem recht festen Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung steht? Jedenfalls müssen die Ein- und Aufsteiger in Berlin nicht nur ein kreatives, sondern auch ein wirtschaftliches und finanzielles Umfeld vorfinden.